Erstellt am Dienstag, 12. Januar 2016
Im Verlauf der letzten Jahrzehnte hat sich die Küche als Wohnraum verändert. Die älteren von Ihnen werden sich noch erinnern können, dass noch zu den Zeiten unserer Großeltern das Familienleben vorwiegend in der Küche stattfand. Das Wohnzimmer war die gute Stube und wurde nur bei Besuch am Sonntag bzw. Sonnabendnachmittag benutzt. In den 80er Jahren war dies auf den Bauernhöfen in Sachsen immer noch üblich.
Entscheidend waren die Bauweise und die Raumaufteilung der Wohnungen. Bei den Neubauten in den neuen Bundesländern in den 50er- bis Anfang der 60er-Jahre waren die Wohnküchen noch so groß, dass ein Tisch und 3 Hocker Platz hatten. Hier konnte man noch essen. In den Folgejahren waren jedoch die Küchen sehr klein und schmal. Sie dienten lediglich nur noch für die Zubereitung von Speisen.
Ebenso kleine Küchen hatten die Mehrfamilienhäuser aus der Gründerzeit. Das Raumproblem wurde durch entsprechende Küchenmöbel mit Ausziehtisch gemildert. Zum Essen konnte aus dem Küchenschrank (Arbeitsplatte) ein kleiner Tisch herausgezogen werden. Zum Essen reichte es aus. Zu dieser Zeit standen jedoch noch nicht so viele Küchenmöbel und Großgeräte im Raum. Wenn ich mich zurückerinnere, so stand bei meinen Eltern in der Küche ein Kohleherd mit zwei Gasbrennern. Der musste dann aber weg, da Platz für den Kühlschrank benötigt wurde. Statt des Kohleherdes wurde ein Gasherd aufgestellt.
In den 90er-Jahren wohnte ich zeitweise im Elsass. Die Wirtin und Eigentümerin des Einfamilienhauses hatte eine große Küche mit Kühlschrank, Ceranherd, großen Küchenschränken, großer Sitzecke und Fernseher. Das gesamte Leben fand in diesem Raum statt.
Das Gleiche findet man in Transkarpatien (Ukraine), welches von Ungarn und Österreich geprägt ist. Die überwiegende Mehrheit der Häuser hat Wohnküchen. Die Wohnküchen sind dort anzutreffen, wo eine große Beziehung nach außen besteht, zum Garten oder zur Feld- bzw. Hofarbeit. Vielleicht auch daher, dass man sich zum Essen nicht extra umziehen wollte. Aber viele historische Häuser und bis in die 50er in Transkarpatien haben nur 3 Zimmer. Schlafzimmer, Kinderzimmer und Wohnküche.
In den 60er-Jahren bis heute wurden in neuen Bundesländern Einraumwohnungen errichtet, welche nur eine sehr kleine abgetrennte Kochnische hatten bzw. haben. Teilweise erfolgte eine Abtrennung des Wohnraums von der Küchenzeile durch einen großen Vorhang.
Eine viel bessere Raumaufteilung habe ich in den Großstädten in der Ukraine kennengelernt. Eine viel bessere Raumaufteilung habe ich in den Großstädten in der Ukraine kennengelernt. Die Einraumwohnung ist etwas kleiner als in Deutschland, aber dafür ist die kleine Küche so groß, dass diese als selbstständiger Raum funktioniert. In diesen funktional optimal ausgenutzten Wohnungen wohnen 2 Personen und eine junge Familie. Man hat dann einen Raum, in den sich eine Person zurückziehen kann.
In Deutschland ist die amerikanische Küche sehr beliebt. Ich denke, diese erfüllt eher die Funktion der Abfütterung der großen Familie. Sie hat natürlich auch den Vorteil, dass die Person, welche den Haushalt macht (Essenszubereitung usw.), engen Kontakt zur übrigen Familie hat (die bequem auf dem Sofa liegt). Dem gegenüber steht der Bedarf an großem Wohnraum, und wenn wirklich gekocht wird, dann breitet sich der Geruch über den gesamten Raum aus. Es ist somit ein größerer Aufwand für die Lüftung erforderlich. Im Winter von Nachteil wegen des höheren Aufwandes für die Heizung.
Aber letzten Endes muss jede Familie selbst entscheiden, welche Funktion die Küche haben soll. Es gibt viele Varianten. Aber bereits mit der Auswahl der entsprechenden Küchenmöbel trägt man zur gewünschten Raumgestaltung bei.
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