Kinder verbringen sehr viel Zeit in ihrem Zimmer, zum Schlafen, Spielen und später zum Lernen. Wie gesund dieser Raum ist, hängt nicht nur von Möbeln und Spielzeug ab, sondern ganz wesentlich von der Bauphysik: von Feuchtigkeit, Luftwechsel und den Oberflächen, die die Wände bedecken. Wer diese Zusammenhänge versteht, kann viele Probleme vermeiden, bevor sie entstehen.

In jedem bewohnten Raum entsteht Feuchtigkeit, durch Atmen, Schwitzen und im Kinderzimmer oft auch durch Wäsche oder Pflanzen. Diese Feuchtigkeit muss regelmäßig abgeführt werden. Bleibt sie im Raum, schlägt sie sich an den kältesten Stellen nieder, typischerweise an Außenwänden, in Raumecken, hinter Schränken und an Fensterlaibungen. Dort kann sich Schimmel bilden.
Wie hoch die relative Luftfeuchtigkeit sein sollte, wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben. Die Verbraucherzentrale Hamburg nennt für den Winter 30 bis 45 Prozent und für den Sommer 45 bis 65 Prozent als Richtwerte. Ein einfaches Hygrometer im Kinderzimmer zeigt schnell, ob der Raum im grünen Bereich liegt, und ist eine der günstigsten Investitionen in ein gesundes Raumklima.
Der wichtigste Hebel gegen zu hohe Feuchtigkeit ist das Lüften. Und hier passieren die häufigsten Fehler. Ein dauerhaft gekipptes Fenster tauscht die Raumluft nur unzureichend aus, kühlt aber die angrenzenden Bauteile ab. Genau dort steigt dann das Risiko für Tauwasser und Schimmel.
Besser ist das Stoßlüften: Fenster mehrmals am Tag für einige Minuten ganz öffnen, idealerweise gegenüberliegende Fenster gleichzeitig, damit ein Durchzug entsteht. Je kälter es draußen ist, desto schneller ist die Luft ausgetauscht. Die Verbraucherzentrale NRW weist zudem darauf hin, dass regelmäßiges kurzes Stoßlüften nicht nur Feuchteschäden und Schimmel vorbeugt, sondern auch einem Anstieg von Schadstoffkonzentrationen in der Raumluft.
Lüften und Heizen hängen bauphysikalisch eng zusammen. Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Kühlt ein Raum stark aus, steigt die relative Luftfeuchtigkeit, und an den kalten Oberflächen der Außenwände wird die Feuchte schneller zum Problem. Ein Kinderzimmer, das tagsüber kaum genutzt und deshalb kaum beheizt wird, ist daher nicht automatisch gesünder, sondern kann gerade an den Außenwänden anfälliger für Schimmel werden.
Für die Praxis heißt das: den Raum gleichmäßig temperieren statt ihn abwechselnd auskühlen und stark aufheizen zu lassen, und nach dem Stoßlüften die Fenster wieder schließen, damit die Wände nicht auskühlen.Dunkle Punkte in Raumecken, ein muffiger Geruch oder sich lösende Tapeten an der Außenwand sind Warnzeichen. Wichtig ist, nicht nur die sichtbare Stelle zu behandeln, sondern die Ursache zu finden. Liegt es am Lüftungsverhalten, an einer Wärmebrücke oder an Feuchtigkeit, die von außen oder aus dem Mauerwerk kommt? Bei größeren Flächen oder wiederkehrendem Befall sollte eine Fachkraft die Ursache klären, bevor neu tapeziert oder gestrichen wird. Eine frische Tapete auf einer feuchten Wand verschiebt das Problem nur.
Ein frisch renoviertes Kinderzimmer braucht besonders viel Frischluft. Farben, Kleister, Bodenbeläge und neue Möbel können flüchtige Stoffe an die Raumluft abgeben. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt deshalb, nach Renovierungsarbeiten deutlich häufiger zu lüften, auch noch einige Monate danach. Wer ein Kinderzimmer neu gestaltet, sollte die Arbeiten deshalb mit ausreichend Vorlauf abschließen.
Die Wand ist die größte Oberfläche im Raum, und ihre Beschichtung beeinflusst sowohl die Raumluft als auch das Feuchteverhalten. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg weist darauf hin, dass Vinyltapeten Weichmacher an die Raumluft abgeben können, während Papier- und Raufasertapeten mit Blauem Engel als raumklimafreundlich gelten. Mineralische Silikat- und Kalkfarben kommen ohne Konservierungsmittel aus und eignen sich daher auch für Allergiker.
Für Wandbeläge im Kinderzimmer gelten deshalb ein paar einfache Regeln:
Wer im Kinderzimmer nicht auf ein Muster verzichten möchte, findet heute auch Tapeten, die diese Kriterien erfüllen. Ein Beispiel sind Tapeten fürs Kinderzimmer aus PVC-freiem Vlies, die mit GREENGUARD-Gold-zertifizierten Druckfarben bedruckt werden. Sie werden mit Kleister für Vliestapeten verarbeitet oder sind als selbstklebende Variante mit sanfter Haftung erhältlich, die sich auf ordnungsgemäß vorbereiteten Wänden wieder abziehen lässt.
Ein gesundes Raumklima im Kinderzimmer ist keine Frage teurer Technik. Es entsteht aus regelmäßigem Stoßlüften, einer kontrollierten Luftfeuchtigkeit, ausreichend Abstand zwischen Möbeln und Außenwänden und Oberflächen, die keine unnötigen Stoffe an die Raumluft abgeben. Wer bei der nächsten Renovierung auf diese Punkte achtet, schafft einen Raum, in dem Kinder nicht nur schön, sondern auch gesund wohnen.
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