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Wie schützen sich Bauherren vor steigenden Baupreisen?

Seitens der Bauherren- und Verbraucherberater werden den Häuselbauern Tipps und Informationen vermittelt, welche sich auf der Grundlage der Verbraucherbauverträge mit den festgelegten Festpreisen beziehen. Je nach Auftrag und Gebäudeart, z. B. Massivbau oder Fertigteilhaus, vergeht relativ viel Zeit zwischen dem Bauvertrag und der Fertigstellung des Gebäudes. Die Bauherren haben eine gute Rechtsposition und das Risiko der Materialbeschaffung liegt beim Bauunternehmen. Nachforderungen seitens der Bauunternehmen, weil die Materialien viel teurer geworden sind, als es bei dem Vertragsabschluss absehbar war, sind einseitige Vertragsänderungen und somit unwirksam. Der Bauherr muss sich nicht darauf einlassen. Kommt es zur Überschreitung der im Vertrag festgelegten Bauzeit mit dem vereinbarten Festpreis, so ändert sich die Situation. Zu einer Verzögerung kann es z. B. kommen, wenn die Bearbeitung der Bauanträge bei der Baubehörde länger dauert oder Situationen auftreten, welche die beiden Vertragsseiten zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht erkennen konnten. Die jeweilige Situation muss durch einen Anwalt juristisch geprüft und geklärt werden.

Was für viele nicht erkennbar ist, ein Handwerker muss immer in Vorkasse gehen. Das eingekaufte und auf der Baustelle bereitgestellte Material, die Löhne, Sozialleistungen, Gebühren usw. finanzieren. Diese Kosten für den Handwerker werden erst ab der ersten Teilrechnung oder Abschlag beglichen. Aufgrund der Konkurrenz, welche je Branche und Standort unterschiedlich ist, fällt die Größe des Gewinns unterschiedlich hoch aus. In meiner Firma hatten wir damals mit 10% kalkuliert, andere lagen etwas höher. Gewinn ist ein unternehmerisches Risiko und fließt in das Kapital ein und dient unter anderem zur Vorfinanzierung. Wenn man das korrekt in den Griff hat, kann man das Skonto und eventuell Sonderrabatte von den Baustofflieferanten erhalten. Aber das ist eine andere Sache.

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Baupreise steigen

In den beiden Jahren (2020-21) kam es bereits zu erheblichen Baupreiserhöhungen, welche zwischen 50 bis 100% lagen. Nach Einschätzung von Branchenverbänden kommt es 2022 wegen Materialmangel und den Folgen durch Corona-Pandemie und den Sanktionen weiter zu einem rasanten Anstieg der Baukosten. Für Baufirmen und Handwerker werden somit Bauleistungen unkalkulierbar.

Wie sollte z. B. ein Handwerk beim Abschluss eines Bauvertrages am 20.2.2022 wissen, wie sich die wirtschaftliche Lage speziell in Deutschland einige Tage später verändert?

Je nach Gewerke liegt der Anteil der Materialkosten am Gesamtpreis der jeweiligen Leistung zwischen 25 bis 50%. Kommt es z. B. in der Zeit zwischen dem Vertragsabschluss und Erbringung der Bauleistung zu einer Materialpreiserhöhung (hier sollen auch einmal die Beschaffungskosten berücksichtigt werden) von 30 bis 50%, so ist der kalkulierte Gewinn aufgezehrt. Die verzögerte Fertigstellung belastet nicht nur den Bauherrn, z. B. zusätzliche Kosten bei der Baufinanzierung, Wohnungskündigung, Ummeldung der Kinder in andere Schule usw., sondern ebenso den Handwerksbetrieb. Er hat für diese Zeit Arbeitskräfte und Arbeitsmittel geplant, welche nicht effektiv ausgelastet werden und eventuell auf einer anderen Baustelle gebraucht aber nicht abgezogen werden können.

Tipp für Bauunternehmen

Aus meiner Sicht kommt gerade unter der jetzigen und kommenden Situation eine extreme Belastung auf die Handwerksbetriebe zu. Dies Marktbereinigung werden nur wenige überstehen, welche rechtzeitig ihre Kosten auf ein Minimum reduzieren. Die Leasingverträge stellen ein sehr hohes Kostenrisiko dar. Wo es möglich ist, sollte diese beendet bzw. keine neuen Verträge für Fahrzeuge oder Baumaschinen abgeschlossen werden. Die Baustoffhändler liefern die Baustoffe an und es gibt genügen Firmen, wo man eine Baumaschine ausleihen kann. Es gibt viele weitere Möglichkeiten von einer dauernden finanziellen Belastung auf eine kurzfristige umzusteigen, welche sofort beendet werden kann. Fast alle Bauunternehmen arbeiten mit Subunternehmen. Ich kann mir vorstellen, dass bei diesen finanziellen und juristischen Unsicherheiten sich auch einige dieser Subunternehmen aus dem östlichen Wirtschaftsraum zurückziehen werden.

Tipp für Bauherren

Ebenso kann ich den Bauherren nur abraten, in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation überhaupt bauen zu wollen. (Es gibt natürlich Ausnahmen, wo die gegenwärtige Wohnsituation keine andere Lösung zulässt.) Hier sollten Sie überlegen, ob Ihr Arbeitsplatz wenigsten die nächsten 10 Jahre so sicher ist, dass Sie ohne Probleme die kommende finanzielle Belastung tragen können. Das sind nicht nur die Tilgung und Zinsen der Baukredite, sondern auch steigenden Lebenshaltungskosten. Sie sollten daran denken, dass nicht nur bei diesen hohen Energiekosten ein Teil der wertschöpfenden Bereiche schließen oder den deutschen Markt wegen ungünstiger Wettbewerbsfähigkeit verlassen.


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