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8.4 Anstriche auf Gipskartonbauplatten

8.4.1 Allgemeines

Ein Anstrichstoff besteht aus Bindemitteln sowie gegebenenfalls aus Pigmenten und anderen Farbmitteln, Füllstoffen, Lösungsmitteln bzw. Verdünnungsmitteln. Diese müssen am Untergrund fest haften und die Oberfläche soll gleichmäßig und ohne Streifen erscheinen.

Oberflächenbehandlung von Gipskartonplatten

Vor dem Aufbringen eines Anstrichs oder einer Beschichtung auf eine Gipskartonplatte sollte ein Grundiermittel entsprechend dem zu verwendenden Anstrichmittel/Beschichtung aufgetragen werden.

Auf Knauf – GK – Platten können folgende Beschichtungen aufgebracht werden:

Bei Gipskartonplattenflächen, die längere Zeit ungeschützt der Lichteinwirkung ausgesetzt waren, können Gilbstoffe durch den Anstrich schlagen (Vergilbung). Daher wird ein Probeanstrich über mehrere Plattenbreiten einschließlich, der verspachtelten Bereiche empfohlen. Zuverlässig verhindern lässt sich das etwaige Durchschlagen von Giftstoffen nur durch das Aufbringen besonderer sperrender Grundierungen.

8.4.2 Die Kalkfarben

Kalkfarben sind nicht für Gipskartonplatten geeignet.

>Das Bindemittel ist mit Wasser verdünnter gelöschter Weißkalk Ca(OH)2. Das Weißen wird meist nur noch für einfache Räume, wie Keller, Garagen und Ställe benutzt. Wegen des hohen pH-Werts kann es gleichzeitig desinfizieren. Eine Einfärbung bis 5 % Buntpigmente ist möglich. Für die Erhöhung einer Wischbeständigkeit kann Kochsalz zugegeben werden. (Auf einen Maurerkübel Kalk ca. ein Päckchen Kochsalz einrühren.) Damit wird auch eine gewisse Wetterbeständigkeit erzielt, wenn diese Wandfläche nicht unmittelbar bewittert wird. Auch andere Zusätze Erhöhen die Wetterbeständigkeit, wie hydraulische Zusätze, Leinöl (10 bis 30 g/Liter Kalktünche) oder Kaliwasserglas K2SiO3 (1-Liter-Wasserglas auf 10 bis 12 Liter Kalkmilch). [147]

8.4.3 Der Wasserglasfarbanstrich

Wasserglasfarben sind nicht für Gipskartonplatten geeignet.

Diese Farbe wird auch als Silicat- oder Mineralfarbanstrich bezeichnet. Das Bindemittel ist Kaliwasserglas K2SiO3 in wässriger Lösung. Das Wasserglas bewirkt eine Versteinerung oder Verkieselung des Untergrundes. Durch die Alkalität wirkt dieser Anstrich keimtötend. Die Silicatfarben können Zusätze wie Kalkhydrat enthalten. Es gibt auch Dispersionssilicatfarben die bis zu 5 % Kunststoffdispersionen enthalten. Auch dieser Anstrich hat wie die Kalkfarbe einen niedrigen Dampfdiffusionswiderstand. [147]

Gipskartonwand mit Glasfasertapete und Silikatfarbe
Bild 8.4.1: Gipskartonwand und Gipsvorwände mit Glasfasertapete und Silikatfarbe

8.4.4 Der Leimfarbanstriche

Als Bindemittel der Leimfarben dient eine Leimlösung in nasser oder trockener Form. Leime reagieren in der Regel chemisch nicht und es sind fast alle Pigmente mit guter Deckkraft verwendbar. Die Zelluloseleime bieten als organische Stoffe einen guten Nährboden für Bakterien und Pilze. Sie sind zwar nicht wasserlöslich, sollten jedoch nur für trockene Räume verwendet werden. Durch ihren geringen Dampfdiffusionswiderstand kann der Untergrund gut die Feuchtespitzen regulieren und die Kondenswasserbildung an der Oberfläche kommt weniger als bei Dispersionsfarben zum Tragen. [147] Tritt hier Schimmelpilzbefall auf, so ist auf fäulnisbeständige Anstriche auszuweichen, wie Silikat- oder Kalkfarbenanstriche. [148]

8.4.5 Der Kaseinleimanstrich

Kasein ist Milcheiweiß. Wird das an sich wasserunlösliche Kasein mit Kalkhydrat in Wasser verrührt, so wird es alkalisch aufgeschlossen, d. h., es ist wasserlöslich. Kalkkaseine sind stark und Alkalikaseine schwach alkalisch. [147] Eine Eignung für Gipskartonplatten ist nicht bekannt.

8.4.6 Die Kunststoffdispersionsfarben

Sie enthalten in Wasser dispergierte Polymerisationsharze als Bindemittel, z. B. Polyvinylacetate, Polyvinylpropionate, Polyacrylate bzw. Acrylharze u. a. Als Wasser verdünnbare Anstrichstoffe lassen sie sich wie Leimfarben verarbeiten. Die Filme haben eine höhere Festigkeit und sind wetterbeständig. Sie nehmen eine Übergangsstellung zu Lösungsmittel verdünnbaren Anstrichstoffen wie Ölfarben oder Lacke ein. [147] Ihr Dampfdiffusionswiderstand ist gegenüber den o. g. Farben größer (ca. 6 bis 10- fache). In vielen Schadensfällen mit Schimmelpilzbildung wurden die Raufasertapeten mit Dispersionsfarben gestrichen. Nahezu alle Kunststoffdispersionen bieten die Möglichkeit, als Nahrungsgrundlage für Schimmelpilze zu dienen (Bild 8.4.2). Der Farbindustrie ist bekannt, dass bei reiner Lagerhalterung Fungizide und Bakterizide beigegeben werden müssen. [149]

Schimmel am Rest der Dispersionsfarbe
Bild 8.4.2: Schimmel am Rest der Dispersionsfarbe im Eimer

Zusätzlich wirkt hier noch die Raufasertapete selbst, siehe hierzu im Punkt Tapeten, und die Kondenswasserbildung an der Oberfläche durch den größeren Dampfdiffusionswiderstand sowie der eventuell angelagerte Staub und Fettfilm als zusätzliche Nahrungsgrundlage.

8.4.7 Naturharz-Dispersionsfarbanstrich

Naturharzdispersionen sind für den Innenbereich verwendbar. Sie eignen sich vorteilhaft für Gipsuntergründe, Gipskartonplatten und Betonflächen. Auf frischen Kalk- oder Zementputz ist eine Verseifung möglich. Ebenso können allergische Hautreizungen durch Terpene auftreten. Das Bindemittel besteht meist aus Pinienharz oder Dammarharz, Terpentin und Zitrusschalenöl sowie Leinöl und Standöl, Füllstoffen, Pigmenten und sonstigen Inhaltsstoffen natürlichen Ursprungs. Die Farbe hat eine hohe Deckkraft, ist mit Wasser verdünnbar und wasserdampfdurchlässig.

8.4.8. Tapeten

Tapeten, tapetenähnliche Stoffe, Wand- und Deckenbeläge und Spannstoffe werden im Innenausbau zur Oberflächengestaltung von Wänden und Decken verwandt. Sie dienen in erster Linie als Gestaltungsmittel. Bauphysikalische und bauchemische Anforderungen werden nur im begrenzten Umfang gestellt. [150]

Beim Tapezieren der Gipskartonbauplatten ist eine richtige Auswahl der Tapete zu treffen. Diese lassen sich bei einer erneuten Renovierung nur sehr schwer von der Oberfläche der Gipskartonbauplatten entfernen. Eine Raufasertapete überdeckt kleine Unebenheiten. Die Glasfasertapeten (Bild 8.4.1) sind dünner und bereits kleinste Unebenheiten, wie verspachtelte Fugenstöße,, können sichtbar werden. Der Vorteil bei Glasfasertapeten ist deren längere Haltbarkeit und sie können öfter als eine Papiertapete überstrichen werden.

Zum Anbringen der Tapeten werden meist Zellulosekleister verwendet. In Verbindung gerade mit der Raufasertapete aus holzhaltigem Papier mit Zusätzen an Holzfasern ist diese Beschichtung eine gute Nahrungsgrundlage für Schimmelpilz. Andere Tapeten sind auch empfindlich gegenüber einem Schimmelpilzbefall, der je nach Art etwas geringer ausfällt. Die anschließende Beschichtung mit einer Dispersionsfarbe wirkt sich zusätzlich ungünstig aus.

Tapezierarbeiten
Bild 8.4.3: Tapezierarbeiten

Die metallbeschichteten Tapeten stellen eine diffusionsdichte Beschichtung dar. Es kann weder Feuchtigkeit durch das Mauerwerk zum Zweck der Feuchtregulierung aufgenommen werden, noch kann die Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk entweichen. Kommt die Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk, so bildet sich der Schimmelpilz unter der Tapete. Liegt Kondenswasser vor, so bildet sich der Schimmel auf der Oberfläche.

9 Werkzeugauswahl

Für die Trockenbauarbeiten werden von den Fachhändlern und Baumärkten verschieden Werkzeuge angeboten. Nicht in jedem Fall benötigt man das „Profiwerkzeug“. Es ist abhängig, wie umfangreich der Ausbau ist und welche Arbeiten anfallen. Auf keinem Fall sollten die verzinkten Bleche und Profile und mit einem Trennschleifer geschnitten werden. Die Zinkschicht wird an den Kanten geschädigt (verbrannt) und es kann zur Rostbildung kommen. Schadensfrei bleibt dagegen der Schnitt mit der Blechschere. Nachfolgende Werkzeuge sollten vorhanden sein. In der rechten Spalte sind mögliche alternative Werkzeuge genannt.

Werkzeug
Bild 9.1.: Von links: verschiedene Blechscheren, Handschleifbrett mit Schleifgitter oder groben Sandpapier

Werkzeug Alternative Möglichkeiten/Werkzeuge
Wasserwaage 1 m und 1,8 – 2,0 m kürzere Wasserwaage und Richtscheid
Gliedermaßstab 2 m Bandmaß
Zimmermannstift Bleistift
Richtscheit 2 m Wasserwaage 2 m, exakt gerades Brett, Metallprofil (CD 60, UW 50)
Großer Metallwinkel 90° Gipskartonplatte oder Spanplatte anlegen (90°)
Messer mit Abbrechklingen  
Akkuschrauber Kleine Bohrmaschine mit links und rechts sowie Drehzahldrosselung
Schlagbohrmaschine und Steinbohrer Bohrhammer ist günstiger
Schraubendreher (Kreuzschlitz)  
Kleiner bis mittlerer Hammer  
Kantenhobel Messer und Raspel
Gipshobel Große Holzpfeile oder Raspel
Handschleifer mit Schleifgitter Großer Schleifklotz mit Sandpapier, Schwingschleifer
Blechschere, Schneide etwas gebogen Alte Blechscheren
Handsäge z. B. Fuchsschwanz Elektrische Stichsäge
Lochraspel bzw. Stichel Kleine Rundpfeile, schmales Sägeblatt, elektrischer Stichsäge
Schlauchwaage für die Bestimmung der horizontalen Flächen, Schnippschnur Lasergerät, lange Wasserwaage
Crimperzang  


Werkzeug
Bild 9.2.: Messer mit Abbrechklingen, kleiner Fuchsschwanz, Lochraspel (damit können alle Lochformen ausgearbeitet werden), grobe Feile als Ersatz für den Gipshobel

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