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8.3 Die Baustoffe Holz und Holzwerkstoffe

8.3.1 Allgemeines

Holz ist ein natürlicher Baustoff, der seit Bestehen der Menschheit für die Nutzung erschlossen wurde. Es zeichnet sich durch gute Eigenschaften, wie leichte Bearbeitung, hohe Belastung, angenehmes Aussehen und gute raumklimatische Eigenschaften aus. Holz findet daher auch heute in vielen Bereichen eine breite Anwendung. Die Dachstühle, Holzbalkendecken, einige Flachdächer und Fertigteilhäuser bestehen aus Holz bzw. Holzwerkstoffe. Gerade beim nachträglichen Ausbau oder bei unsachgemäßer Sanierung der Gebäude können sehr schnell Feuchtigkeitsschäden auftreten, welche das Wachstum von Holz zerstörenden Insekten oder Pilze begünstigen. In diesem Punkt werden daher die besonderen Eigenschaften des Holzes, die möglichen Schädigungen und den Holzschutz behandelt.

8.3.2 Die chemische Zusammensetzung und Bestandteile des Holzes

Das einheimische Nadel- und Laubholz setzt sich wie folgt zusammen:

  1. Holzcellulose (Gehalt 40-45 %)
    Diese baut sich hauptsächlich aus Glucose, Mannose- und Xylosebausteine auf.
    (Glucose: Traubenzucker; Mannose kommt als Baustein in der Steinnuss und in Johannisbrotbaumsamen vor; Xylose: Kleie- und Strohkomponente)
  2. Hemicellulosen (Gehalt 25-35 %)
    Besteht aus langen löslichen Polysacchariden (Holzgummi).
  3. Lignin (Gehalt Nadelholz 27-30 %, Laubholz 18-30 %)
    Ist verantwortlich, dass das Cellulosegerüst Druckfestigkeit und Starrheit erhält. Bewirkt die Verholzung des pflanzlichen Gewebes.
  4. Kambium Ist das lebende Gewebe, dessen Zellen sich in der Vegetationsperiode immer wieder teilen.

8.3.3 Die Einordnung der Hölzer

Hier sollen nur kurz wichtige Unterschiede bezogen auf den Holzschutz hervorgehoben werden. Die verschiedenen Holzsorten bestehen aus Splintholz und Kernholz, dazu kommt noch eine Einteilung in Reifholz.

Splintholz ist im äußeren Bereich des Stamms. Die Zellen beinhalten Stärke, Einweiße und andere Spurenelemente. Im Kernbereich sind diese wichtigen Nahrungsgrundlagen für Holz zerstörende Pilze und Insekten geringer. Mit zunehmendem Alter des verbauten Holzes nimmt der Anteil dieser Bestandteile ab. Ebenso kann durch das Wässern (Flößen und Wasserlagerung) dieser Anteil verringert werden.

Von den Nadelhölzern sind Kiefer, Lärche und Douglasie und von den Laubhölzern Eiche und Robinie Kernhölzer. Zu den Reifhölzern gehören Fichte, Tanne und Rotbuche. Kernhölzer haben in der Regel eine bessere Resistenz gegen Holz zerstörende Pilze und Insekten.

8.3.4 Die Verwendung von Holz im Bauwesen und in der Industrie

8.3.5 Die Gefährdung des Holzes (Holzschutz)
8.3.5.1 Allgemeines

Die Gefährdung des Holzes erfolgt in Abhängigkeit von dem jeweiligen Einsatzbereich. Schäden treten im Allgemeinen dann auf, wenn:

Ein sehr gut ausgearbeitetes Informationsmaterial (siehe /104/) soll hier empfohlen werden, welches sich mit dem vorbeugenden baulichen Holzschutz nach DIN 68800 Teil 2 befasst. Hier werden Möglichkeiten aufgezeigt, um den vorbeugenden chemischen Holzschutz weitgehend oder sogar vollständig durch besondere bauliche Maßnahmen zu ersetzen. Es kann über www.infoholz.de bestellt werden.

8.3.5.2 Die Einflüsse, die den Baustoff Holz schädigen.

a) Witterungseinflüsse
- Feuchtigkeit (Quellen und Schwinden bei Fichte radial -4 %, tangential -8 % axial -0,4 %),
- UV-Anteil des Sonnenlichts,
- Temperaturschwankungen führen zur Rissbildung.

b) Biologische Einflüsse (Pilze, Bakterien, Insekten)
- Bei 20 – 40 % Holzfeuchte und 0 –40 °C wird die Zellulose und Hemizellulose zersetzt.
- Diese Bedingungen sind ab einer relativen Luftfeuchtigkeit von ca. 90 % gegeben.
- Im vollkommenen trockenen oder durchnässten Zustand erfolgt keine Fäulnis.
- Insekten genügt eine Holzfeuchte um 10 %.

c) Chemische Einflüsse (Säuren, Basen und Salze)

Holz hat eine relativ gute Beständigkeit im pH-Bereich zwischen 3-10, daher erfolgte z. B. auch ein Einsatz in der Kaliindustrie, Bergbau, landwirtschaftliche Bauten.

8.3.5.3 Die Verringerung der Holzschäden durch handwerkliche und konstruktive Maßnahmen

8.3.6 Übersicht der Holz zerstörenden Insekten und Pilzen
8.3.6.1 Allgemeines

Der Baustoff Holz befindet sich in einem natürlichen Stoffkreislauf. Die durch die Fotosynthese gewonnene Energie wird von anderen Organismen, wie Pilze, Bakterien und Insekten, für ihre Stoffwechselprozesse benötigt. Dabei sind bestimmte äußere Bedingungen, wie Witterungs- und Temperaturänderungen und lange Feuchtigkeit, notwendig. Bei Nässe und Wärme wird das Holz durch die Organismen in seine Grundbestandteile zersetzt. Der biologische Kreislauf wird damit geschlossen.

Der Holzschutz (DIN 68800) beinhaltet Maßnahmen, die physikalische, chemische und biologische Einflüsse auf das Holz verhindern oder vermindern soll und so eine längere wirtschaftliche Nutzung ermöglicht.

8.3.6.2 Holz schädigende Organismen
8.3.6.2.1 Holz verfärbende Pilze - Schlauchpilze (Ascomycetes)

Hier gibt es weit über 100 verschiedene Arten. Die wichtigsten Arten sind die Bläuepilze und Sandbräunepilze. Sie verändern die natürliche Farbe des Holzes, beeinträchtigen die Tränkungsmöglichkeit mit Holzschutzmittel und begünstigen die Anfälligkeit gegenüber Holz zerstörende Pilze.

Bis auf die optische Schädigung haben sie keine weitere Bedeutung. In der Regel werden diese Hölzer dann als minderwertig betrachtet.

Diese Pilze wachsen ab ca. 5 °C und einer Holzfeuchtigkeit zwischen 13,5 bis 30 %. (Z. B. zw. 11-14 % hat eine Dielung im Erdgeschoss mit Ofenheizung, 30 % entspricht etwa der Fasersättigung.)

8.3.6.2.2 Holz zerstörende Pilze – Ständerpilze (Basidiomyceten)
8.3.6.2.2.1 Allgemeine Merkmale

Diese bauen die Zellwände des Holzes ab, zerstören sie und bewirken Fäule, die sich in Braun-, Weiß- und Weißlochfäule äußert. Die Wachstumsbedingungen liegen bei einer Temperatur zwischen 0 bis 40 °C und einer Holzfeuchtigkeit von (20) bis 100 %. Je nach Art der Pilze werden nur bestimmte Holzarten oder vorwiegend der Splint- bzw. Kernholzanteil angegriffen. Vor einem Dachausbau sind alle Holzteile auf einen möglichen Pilzbefall zu kontrollieren. In der Praxis kommt oft ein Pilzbefall in der Nähe der Giebelwand, an der Fußpfette, an der Drempelpfette und in Bereichen, wo das Dach nicht dicht war, vor. Diese Bereiche sind vor einem Dachausbau gründlich zu untersuchen. Bei Schäden sollte ein Fachmann für Holzschutz hinzugezogen werden.

8.3.6.2.2.2 Braunfäule (Destruktionsfäule)

Diese Pilze verwenden für ihren Stoffwechselprozess vorwiegend die Zellulose. Im verbleibenden Gerüst ist Lignin, welches die braune Färbung verursacht. Die Holzzellen bzw. die chemischen Verbindungen der Zellulose sind sehr stabil und können von den Hyphen der Pilze nicht allein zerstört werden. An den Hyphenspitzen werden Katalysatoren (Enzyme) freigesetzt, die die Makromoleküle aufspalten.

Die Braunfäule ist an der Verwölbung von Brettern, z. B. Sockelverkleidung im Hauseingangsbereich, Türzargen und durch einen Würfelbruch erkennbar.

Typische Vertreter sind:

Echter Hausschwamm (Serpula lacrimans) Vorwiegend nach Wasserschaden im verdeckten Bereich (Holzbalkendecke), der nicht schnell ausgetrocknet wurde, bzw. dort wo immer etwas Feuchtigkeit entsteht, z. B. bei einem undichten Dach oder im Keller an Holz, Kohlen, Kartoffeln u. a. aber auch den Sparren bei einer magelhaften Ausführung der Dämmung und Dampfbremse.
Wilder Hausschwamm (Serpula himantioides) Im Freien, selten in Gebäuden
Gelbrandiger Hausschwamm (Leucogyrophana pinastri) Kommt meistens im Freien vor.
Kleiner Hausschwamm (Leucogyrophana pulverulenta) Im Gebäude, auch im Freien
Weißer Porenschwamm (Antrodia vaillantii) Ab HF 40 %, das Myzel sieht wie eine Eisblume aus.
Brauner Kellerschwamm(Coniophora puteana) Ab HF 40 %, im Bergwerk, in den Bauteilen, wo lange Zeit ständig hohe Nässe vorhanden ist, Wasserleitungsschaden falsche Konstruktion bei Fachwerkbauten mit Innendämmung, das Myzel sieht wie ein Haarnetz aus.
Muschelkrempling (Tapinella panuoides) HF 40-80 % im Verhältnis zu den anderen Holz zerstörenden Pilzen kommt er im Gebäude seltener vor.
Sägeblättling (Lentinus lepideus) Vorwiegend im Kernholz von Nadelhölzern (von außen sieht das Holz in Ordnung aus)
Tannenblättling (Gloeophyllum abietinum) Er kommt meist dort vor, wo eine hohe lokale Feuchtigkeit vorliegt, z. B. unter den Toilettenbecken, die undicht sind.
Eichenwirrling (Daedalea quercina) Ist ein Kernholzzerstörer und kommt z. B. in der Schwelle (meist Eiche) vom Fachwerk vor. Schaden ist kaum erkennbar.


Hausschwamm an Gaube
Bild 8.3.1: Beispiel von einem Schaden durch den Echten Hausschwamm an einem Sparren, Kehlbalken und Drempelpfette neben einer Gaube. Dieser Schaden wurde erst nach der Entfernung der alten Innenverkleidung (Schalbretter mit Putzträger und Putz) sichtbar. Sichtbare nasse Stellen sollten daher immer zum Zweck der Kontrolle geöffnet werden.

8.3.6.2.2.3 Weißfäule (Korrosionsfäule)

Diese Pilze haben sich auf den Abbau des Lignins spezialisiert, sodass die verbleibende Zellulose die Weißfärbung verursacht. In vielen Fällen wird dann auch die Zellulose abgebaut. Das Holz ist zerfasert und wird weich. In der Regel benötigen diese Pilze mehr Feuchtigkeit als die Braunfäulepilze.

Zu den typischen Vertretern gehören:

Ausgebreiteter Hausporling Eichenporling (Donkioporia expansa) Weißfäule Pilz, befällt auch das Nadelholz, benötigt eine hohe Holzfeuchtigkeit und kommt oft gemeinsam mit dem Weißen Porenschwamm oder Echten Hausschwamm vor, sein Auftreten hat sich in den letzten Jahren erhöht.
Zimtbrauner Porenschwamm (Phellinus contiguus) In Dachböden (Nassfäulepilz)
Großer Rindenpilz (Phlebiopsis gigantea) Im Freien oder auch in Dachböden



Bild 8.3.2: Holzschäden am Dachstuhl durch den Ausgebreiteten Hausporling (Donkioporia expansa) unterhalb des Kehlbalkens an der Holzkonstruktion. Meistens sind zur gleich Zeit auch andere Holz zerstörende Pilze vorhanden. In diesem Fall der Weiße Porenschwamm (Antrodia vaillantii).

8.3.6.2.2.4 Die Weißlochfäule

Bei einer Weißlochfäule werden Lignin und Zellulose gleichzeitig abgebaut. Es kommt zu Fehlstellen in den Jahresringen. Zu den Stammfäulepilzen gehört der Wurzelschwamm (Fichte) und Kieferbaumschwamm.

Im verbauten Zustand ist der Pilz tot. Es ist jedoch zu beachten, dass vorgeschädigtes Holz schneller durch andere Holz zerstörende Pilze und Insekten befallen werden kann. Beim Einkauf von Balken sollte man beide Seiten prüfen!

8.3.6.2.3. Die Moderfäule

Die Moderfäule wird durch die Verfärbung (Vergrauung) und Verlust an Gewicht sowie Festigkeit von bis 98 % gekennzeichnet. Sie kommt meist an Holz vor, welches ständig einer großen Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Dadurch wird die Abbautätigkeit anderer Pilze verhindert. Das Holz wird weich und kann z. B. mit dem Fingernagel eingedrückt werden. Diese Holzzerstörung geht in der Regel von der Holzoberfläche aus und ist in der Regel bis zu 1 mm tief. Es kommt zur Dunkel- bis Schwarzfärbung. Beim Trocknen entstehen Risse quer zur Faser. Mikroskopisch gesehen werden durch die Hyphen die Zellwände abgebaut. Es entstehen Kavernen bis zum vollständigen Abbau. Es sind eine Reihe von Ascomyceten und Fungi imperfecti, welche die Moderfäule hervorrufen, wie z. B. Chaetomium globosum und Ch.-Arten, fernerhin Stachybotris atra, Rhizoctonia-Arten usw. beteiligt. [138, 139, 140, 141]

8.3.6.3. Holz zerstörende Insekten
8.3.6.3.1. Allgemeines

Zu unterscheiden sind die Insekten, die im Holz wohnen, dort Brutplätze anlegen und die Brut aufziehen, und die das Holz als Nahrungsgrundlage benötigen und so zerstören. Vor dem Ausbau eines Dachbodens sind daher alle Holzteile, vor allem die tragenden Holzteile (Pfetten und Sparren) auf einem möglichen Befall zu prüfen. Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich um ein Altbefall oder ob es sich um Trockenholzinsekten handelt. Im letzen Fall sind Holzschutzmaßnahmen erforderlich. Gegrünte Dachlatten bieten keinen ausreichenden Holzschutz. Bei falschem Dachausbau (Dampfbremse) kann sich auch auf diesem Holz Myzel vom Echten Hausschwamm bilden.

8.3.6.3.2. Frischholzinsekten

Die Insekten leben in kränkelnden Bäumen, frisch gefälltem Holz und auf den Lagerplätzen. Um einen Befall möglichst gering zu halten, sollte dem Holz gleich nach dem Einschlag die Rinde entfernt und so gelagert werden, dass ein schnelles Abtrocknen erfolgen kann.

8.3.6.3.3. Trockenholzinsekten

Diese Insekten kommen an luft- bzw. nutzungstrocknem Holz im Freien oder im Gebäude vor. Der Befall erfolgt mehrjährig und mit vielen Generationen. Bis auf den braunen Splintholzkäfer (HF 7- 8 %) benötigen alle anderen eine Holzfeuchtigkeit von mindestens 10 % und eine Temperatur zwischen 10 –38 °C. Bei einer normal genutzten Wohnung mit Zentralheizung und ab 2. Etage mit Ofenheizung liegt die Holzfeuchte in diesem unteren Bereich, sodass kaum eine Schädigung erfolgt.

In gedeckten Bauten finden folgende Insektenlarven keine Weiterverbreitung:

Scheibenböcke z. B. Blauer Scheibenbock (Callidium violaceum); Rothalsbock (Leptura rubra L.) Sie werden oft mit dem frischen Holz eingebaut. Nach dem Verpuppen der Larve verlässt das Insekt das Gebäude. Die Fluglöcher haben eine große Ähnlichkeit mit dem vom Hausbock.
Weicher Nagekäfer (Ernobius mollis) Tritt an berindeten Hölzern auf und ist bis 2 mm im Splintholz zu finden.
Gestreiften Nutzholzborgenkäfer oder Laubholzborgenkäfer, (Tripodendron-Arten) Stellen keine Gefährdung dar. Die sind oft an den gegrünten Dachlatten oder auch an Sparren zu erkennen. Erkennbar ist dies durch den dunklen Leitergang.

In gedeckten Bauten kommen folgende Insektenlarven vor:

Gewöhnlicher Nagekäfer (Anobium punctatum) Der meist verbreitete Holzschädling, ab einer Holzfeuchte ab 10 % an Dielenbretter, Deckenbalkenköpfe, Treppenstufen.
Trotzkopf (Anobium pertinax) Er kommt in Verbindung mit pilzgeschädigtem Holz vor, z. B. an Deckenbalkenköpfe
Gescheckten Nagekäfer oder Bunter Nagekäfer (Xestobium rufovillosum) Er kommt in Verbindung mit pilzgeschädigtem Eichenholz vor aber auch sehr oft an Deckenbalkenköpfen aus Nadelholz.
Parkettkäfer o. Linierter Splintholzkäfer (Lyctus linearis) Schädigt trockenes Laubholz (Eiche, Esche, Nussbaum), ab einer Holzfeuchte von 7 %, daher auch eine Vermehrung in Räumen mit Zentralheizung möglich.
Hausbockkäfer (Hylotrupes bajulus) Ist das gefährlichste Holz zerstörende Insekt, er kann den gesamten Dachstuhl oder auch Deckenbalken zerfressen. Von Vorteil ist der Einsatz von Balken mit hohem Kernholzanteil. In älteren Holzteilen, ca. ab 60 Jahre, sind die Bestandteile, die als Nahrung dienen geringer, sodass nur ein untergeordneter Befall erfolgen kann. (Bild 8.3.3 und 8.3.4)
Armeisen (Camponotus-Arten) Sie nutzen das Holz als Brutstätte, z. B. in einer feuchten Holzbalkendecke. Der Deckenbalken kann dabei vollständig zerstört werden.
[139, 140, 141, 142]

Hausbockkäfer und Splintholz
Bild 8.3.3: Hier ein Beispiel für das Fraßbild durch die Larve des Hausbockkäfers. Es frisst das hellere Splitholz unter der Balkenoberfläche. Das dunklere Kernholz bleibt meist unbeschadet bzw. wird erst befallen, wenn kein Splintholz mehr vorhanden ist.

Schäden durch die Larven des Hausbockkäfers an den Sparren
Bild 8.3.4: Schäden durch die Larven des Hausbockkäfers an den Sparren. Durch wechselseitiges Anschlagen mit einem kleinen Beil oder mit dem Spitzhammer alle 50 cm kann man eine Schädigung der Sparren oder der andern Holzteile erkennen.

8.3.7 Zusammenfassung zur Biologie der Holz zerstörenden Pilze und Insekten

Der Holz schädigende und zerstörende Befall durch Holz zerstörende Pilze und Insekten ist auf das Vorhandensein erhöhter Feuchtigkeit, Kohlenstoffverbindungen als Energielieferant, andere Nährsubstanzen (Eiweiße, Fette), z. B. im Holz circa ein Anteil bis 5 % sowie Spurenelemente (verschiedene Kationen und Anionen) angewiesen. Weiterhin spielen verschiedene Umwelteinflüsse und auch der pH-Wert eine Rolle. Gemäß der DIN 1052 (Holzbau) sollte die Ausgleichsfeuchte für Hölzer in allseitig geschlossenen Räumen mit Heizung 6 -12 % und unbeheizten Räumen 9-15 % betragen. Der Beginn des Wachstums erfolgt bei:

  Temperaturen Holzfeuchte
Holz schädigende Pilze > 5°C (7) 13 - 30 %
Holz zerstörender Pilze 0 – 40°C 20 – 100 % *)

Holz zerstörende Insekten 10- 38°C 10 - 60 %
*) Lieg jedoch bereits ein Befall durch den Echten Hausschwamm vor, so wird auch trockenes Holz mit 12-13 % befallen.

Unter baulich gesunden Bedingungen sind Holzschädigungen wie z. B. durch den Echten Hausschwamm nicht möglich. [143]

8.3.8 Holzschutzmaßnahmen
8.3.8.1 Allgemeine Hinweise

Holzschutzmaßnahmen dienen dazu, die Nutzung zeitlich zu verlängern und die Holzart auch in den Anwendungsbereichen zu nutzen, wo die natürliche Eigenresistenz nicht ausreicht. Es stehen nicht genügend Hölzer, wie Eiche oder Robinie, für bestimmte Baumaßnahmen zur Verfügung, daher werden auch andere einheimische Hölzer, wie die Tanne/Fichte verwendet. Die fehlende Eigenresistenz dieser Hölzer wird durch einen chemischen Holzschutz ergänzt. An erster Stelle steht aber der konstruktive Holzschutz.

Gerade die heimische Fichte kommt vorwiegend als Bauholz zum Einsatz. Sowohl ihr Reif- und Splintholz haben gegenüber Holz zerstörende Pilze und den Nagekäfer keine Eigenresistenz. Die Verwendung ist daher nur in der Gefährdungsklasse 0 möglich. Der Standort muss immer trocken sein. Liegt nun eine mittlere relative Luftfeuchte bis 70 % vor, die Holzfeuchte u < 20 % ist sicherzustellen, so wird die Bedingung nicht mehr erfüllt und es erfolgt die Zuordnung in die Gefährdungsklasse 1, was durch das Fichtenholz nicht erfüllt wird (vgl. DIN 68800 Teil 3).

Bei einer fehlenden bzw. ungenügenden Fugenanbindung der Dampfbremse im Dachgeschoss werden so die tragenden Konstruktionshölzer und auch die Holzbauteile einer höheren Feuchtebelastung ausgesetzt. Generell sollten alle verdeckten Holzteile in der Dachkonstruktion (Sparren, Pfetten usw.) der Gefährdungsklasse 2 zugeordnet werden. In Wohnräumen und ähnlicher Nutzung kann das Fichtenholz gegen Insekten allseitig durch eine geschlossene Bekleidung abgedeckt oder das Holz ist so offen angeordnet, dass es ständig kontrolliert werden kann. Das Holz der Kiefer ist dagegen resistenter. Bei einem Splintholzanteil unter 10 % liegt eine genügend hohe Eigenresistenz gegenüber Holz zerstörenden Insekten vor und kann so ohne Probleme im Gefährdungsbereich 1 ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen eingesetzt werden.

Bei Fertigteilhäusern, in der Regel als Ständerbau und mit Dämmstoff ausgefüllt, kann bei mangelhafter Dampfbremse über Fugen die wärmere Luft in die kühleren Außenwandbereiche gelangen. Die relative Luftfeuchte steigt an (kühlere Luft kann weniger Wasserdampf aufnehmen), in vielen Fällen kommt es lokal zu Kondenswasserbildung. Das Dämmmaterial nimmt die Feuchtigkeit auf und hält diese auch über eine längere Zeit. Damit wird sehr schnell das Konstruktionsholz, was eigentlich in die Gefährdungsklasse 0 eingeordnet ist, in die Gefährdungsklasse 2 oder 3 verschoben. Bei einer Gefährdungsklasse 2 sind das z. B. Innenbauteile in Nassbereichen, wobei die Holzteile Wasser abweisend abgedeckt sind und bei 3 ohne Wasser abweisende Abdeckung. Bei der Gefährdungsklasse 2 könnte daher nur noch Kernholz der Lerche oder der Eiche und bei der GK 3 nur noch Eiche verwendet werden. Das gilt aber auch für angrenzenden Holzwerkstoff, wie die Spanplatten oder Faserplatten die eine Resistenzklasse 4 haben und so etwa der Fichte entsprechen. Bei lange anhaltender Durchfeuchtung werden auch diese Hölzer und Holzwerkstoffe durch Holz zerstörende Pilze und Insekten geschädigt und zerstört.

Es gibt zwei grundsätzliche Überlegungen, die wirklich ökologisch sind. Einmal der konstruktive Holzschutz, wie bereits oben genannt, vgl. DIN 68800 Teil 2, und wenn die Holzart bzw. die Konstruktion die bereits o. g. Gefährdungsklassen nicht erfüllen, sollte ein anderer Baustoff zum Einsatz kommen. Nur so kann man lange Zeit schadensfrei bleiben und einen unnötigen Gifteintrag vermeiden. Für den Dachgeschossausbau ist das z. B. eine Aufsparrendämmung, die Sparren sind zum Innenraum immer kontrollierbar.

8.3.8.2 Konstruktive Holzschutzmaßnahmen

8.3.8.3 Die Planung statisch beanspruchter Bauteile

Resistenzklassen nach DIN 68 364 ( GK = Gefährdungsklasse)

GK 0: beliebige Resistenzklassen z. B. Fichte, innen verbautes Holz,ständig trocken.

GK 1: Douglasie bis 10 % Splintanteil
Fichte, Kiefer ohne Begrenzung des Splintanteils aber kontrollierbar, ansonsten ist ein chemischer Erstschutz mit Holzschutzmittel mit amtl. Zulassung des DIBt (HSM) erforderlich, innen verbautes Holz, ständig trocken.

GK 2: Resistenzklasse 3; ohne Splintanteil Kiefer, Lärche
z. B. für Sparren, sonst chem. Erstschutz erforderlich, Holz das weder dem Erdkontakt noch direkt der Witterung oder Auswaschung ausgesetzt ist, vorübergehend Befeuchtung möglich.

GK 3: Resistenzklasse 2; Eiche ohne Splintanteil
z. B. Balkenköpfe bei Wetterbeanspruchung, Holz der Witterung oder Kondensation ausgesetzt, aber nicht in Erdkontakt.

GK 4: Resistenzklasse 1; Robinie
z. B. Erdboden, Holz in dauerndem Erdkontakt oder ständiger starker Befeuchtung ausgesetzt, besondere Bedingungen gelten für Kühltürme sowie für Holz im Meerwasser.

8.3.8.4 Der Chemischer Schutz

Der chemische Schutz wird erforderlich, wenn die natürliche Resistenz der Holzarten für den bestimmten Einsatzort nicht ausreicht. Auf dem Baumarkt angebotene Billigprodukte erfüllen nicht immer diese Anforderungen. Nachfolgend die Forderungen nach DIN

GK 1 Tauchverfahren mit HSM Iv, 6 Std. (min. 1 Std.) vorzugsweise borhaltige HSM

GK 2 Tauchverfahren mit HSM Iv, Pv 6 Std. (Tiefe 2 mm, bei KF 6 mm +/- 2 mm, FI 4 mm +/- 2 mm)

GK 3 Trogtränkverfahren = oder > 1 Tag (Tiefe bis 8 mm)

GK 4 Kesseldruckverfahren

8.3.8.5 Die Schadensschwerpunkte

Aus der Vielzahl von Schäden durch Holz zerstörende Pilze kann eigentlich kein Gebäudeteil ausgeschlossen werden. Es waren Schäden durch den Echten Hausschwamm vorhanden. Diese wurde erst bei Freilegung wegen anderer Sanierungsmaßnahmen unbemerkt. Die Altschäden zeigten zum Teil auch frisches Myzel. Dazu gehörten Deckenbereiche mitten im Wohnzimmer, Treppenpodeste und vor allen Dachböden. Die Ursachen waren offen gelassene Fenster bei starkem Niederschlag und Schäden an der alten Dacheindeckung und falsch ausgeführte Dampfbremsen. Weiterhin sind die Bereiche, wo sich Wasser- und Abflussleitungen befinden, und innen liegende Räume bzw. Abstellkammern, die wenig gelüftet werden.

Holzschutztechnische Untersuchungen
Bild 8.3.5: Holzschutztechnische Untersuchungen an den Deckenbalken, Fußpfette und Sparrenfüße

Im Dachboden sind die Bereiche gefährdet, wo undichte Stellen möglich sind. Das sind Dachfenster, Kehlbleche, Wand- sowie Schornsteinanschlussbleche und auch der Traufbereich. Ein nicht ausgebautes Dachgeschoss ist immer kontrollfähig und man kann bei ständiger Kontrolle die Schäden bereits im Anfangsstadium erkennen. Ist das Dachgeschoss ausgebaut, so ist dies nicht mehr möglich. Daher sollte auch bei einer scheinbar unbedeutenden Feuchtigkeitsbildung an der Innenseite die Ursache ergründet werden.

Ebenso gefährdet sind Wandflächen, wo eine erhöhte Schlagregenbeanspruchung vorliegt. Dazu gehören auch Erkerbereiche, wo die Streichbalken und die Deckenbalken neben den Stahlträgern (Wärmebrücke) gefährdet sind.

Bei Wasserleitungsschäden läuft das Wasser in den Fehlböden entlang, in der Regel sind ein bis zwei Balkenfelder betroffen, und an einer anderen Stelle dann durch die Decke. Gerade im Dachgeschossausbau werden die Wasser- und Heizungsleitungen in den Trockenbauwänden oder hinter der Abseitwand (Drempel) verlegt. Ein Wasserschaden ist daher nicht sofort erkennbar und dem richtigen Standort zu zuordnen.

Vor dem Ausbau des Dachgeschosses ist das Holz gründlich auf eine Schädigung zu kontrollieren. Das sind neben den Sparren und Pfetten auch der Drempel und der Holzfußboden mit dem Schwerpunkt der Auflager der Deckenbalken. Viele Bauherren oder Bauträger haben eine solche Maßnahme nicht veranlasst. Die meisten Schäden im kleineren Umfang wurden von dem Handwerker übersehen oder gar nicht erst saniert. Selbst Bauleiter haben diese Schäden als unwichtig eingeordnet, wobei Folgeschäden gleich mehrere Wohnräume betreffen. Nur wenige Bauleute haben den Schäden, verursacht durch Holz zerstörende Insekten und Pilze, genügend Aufmerksamkeit gewidmet.

Zu beachten ist beim nachträglichen Einbau von Holzfenster oder Balkontüren, zum Beispiel bei einem Austritt im Dachausschnitt, dass hier eventuell eine hohe Belastung durch Schlagregen vorliegt. Diese sind meist nur auf kleine Dachabschnitte beschränkt und erst erkennbar, wenn Teile der Rahmen bereits durch einen Pilzbefall zerstört sind. Hier sollte auf andere Baustoffe zurückgegriffen werden. Eventuell sind Abblechungen anzubringen, da ein Farbabstrich nicht immer ausreichend ist.

Holz zerstörende Insekten haben eigentlich zu fast allen Bereichen Zugang. Liegen optimale Bedingungen vor, so werden in den kleinen Rissen Eier abgelegt und die Larven können sich entwickeln. Dabei bleibt der Schadensbefall auf den Bereich, wo die günstigen Bedingungen vorliegen, begrenzt. Z. B. typisch sind die Deckenbalkenköpfe. Der Befall befindet sich meist auf den oberen Teil der im Mauerwerk befindlichen Deckenbalkenköpfe. Ebenso ist dies bei Streichbalken zu erkennen. Es ist hauptsächlich die Seite an der Wand befallen.

Analog verhält es sich bei Holz zerstörenden Pilzen. Sporen kommen ausreichend in der Luft vor. Liegen für den Pilz optimale Bedingungen vor, so entwickelt sich aus der Spore eine Hyphe, Myzel und dann ein Strang oder bzw. Fruchtkörper. In der Regel erfolgt nur ein Wachstum in diesem Bereich, wo günstige Bedingungen vorliegen. Das trifft auch für den Hausschwamm zu. Nimmt die Feuchtigkeit ab und die vorhandene Nährsubstanz (Holz) wird aufgebraucht, so wird das Wachstum eingestellt. Liegen auch nach Jahren wieder günstige Bedingungen vor, so kann ein erneutes Wachstum erfolgen. Grundsätzlich sollten alle Schäden durch Holz zerstörende Pilze mit großer Sorgfalt saniert werden. Sie verursachen alle den gleichen Schaden, nur die Geschwindigkeit der Schädigung ist unterschiedlich.

Eine Sanierung beruht darauf, die Ursachen, also die Feuchtigkeitsquelle, dauerhaft zu beseitigen. Dann muss der Pilz von seiner Nahrungsquelle abgekoppelt werden. Hier werden die befallenen Holzteile ausgebaut. Bei Hausschwammbefall ist es zweckmäßig statt des Holzes lieber auf Metall oder mineralische Baustoffe auszuweichen. Ist das Mauerwerk mit Myzel befallen, so ist ein Austausch so weit vorzunehmen, dass eine ausreichende freie Schicht ohne Myzel entsteht. Eine Bekämpfung mit Schwammbekämpfungsmittel im Mauerwerk muss nicht von Erfolg sein. „In diesem Zusammenhang ist darauf zu verweisen, dass im Grunde genommen eine Bekämpfung im Sinne von Abtöten auch im Mauerwerk nicht umfassend möglich ist. Vielmehr beruht die Wirksamkeit der Schwammbekämpfungsmittel auf der Bildung einer Sperrschicht, die nicht von frisch auswachsendem Myzel durchwachsen werden kann.” [144]

Ganze Wandflächen mit Schwammbekämpfungsmittel verpresst, dient dem Bautenschützer und der Deponie für kontaminierten Bauschutt. Mittlerweile sind behandelte Wandflächen mit einer dicht schließenden Oberfläche zu versehen, was vor einigen Jahren noch nicht vorgeschrieben war.

Wie bereits oben genannt stellt die Mehrzahl der Holz zerstörenden Pilze ihr Wachstum ein, wenn sich die lokalen klimatischen Bedingungen verändern. Genau dieser Sachverhalt dürfte neben den Neubefall verantwortlich sein, dass gerade bei sanierten Altbauten eine erhöhte Schadensanfälligkeit vorliegt. Durch konstruktive aber auch in vielen Fällen mangelhafte Ausführung kommt es an verschiedenen Bauteilen zur Kondensatbildung und die wichtigste Lebensgrundlage, die Feuchtigkeit, ist wieder vorhanden. Durch die verdecken Bereiche, wie Vorsatzwände, sind diese Schäden erst sehr spät erkennbar. Der Echte Hausschwamm liebt warme feuchte und bedeckte Bereiche. Dementsprechend sind aber auch die zwischenzeitlich entstandenen Schadensausbreitungen. Je größer die Schäden sind, um so kostenaufwendiger wird ihre Sanierung, die sich nicht allein auf die Sanierung beschränkt, sondern sich auch auf Mietausfall, Freilenkungsmaßnahmen, Hotelkosten, Prozesskosten mit dem angrenzenden Gebäude usw. ausdehnen können.

Die normative Nutzungsdauer eines Gebäudes mit Holzbalkendecken ist nicht unbegründet auf 80 Jahre bestimmt. Die Spanne des Zustandes der Holzbalkendecke nach 80 Jahren reicht von ohne Schädigung bis zum vollständigen Zerfall. Aufgelegte Spanverlegeplatten oder Estrichbeton mit dekorativem Fußbodenbelag geben keine Auskunft über den tatsächlichen Zustand der darunter befindlichen tragenden Holzteile. [145]

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