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2.2 Kaltdach oder Warmdach?
2.2.1 Allgemeines

Das gut belüftet zweischalige Kaltdach ist in bauphysikalischer Hinsicht die beste Lösung für Steil- und Flachdächer, da auch bei hoher Raumfeuchtigkeit und hohen Temperaturunterschieden anteilig weniger Schäden als bei wärme gedämmten Dächern auftreten. Das muss jedoch differenziert betrachtet werden. [4] Es muss der Schutz vor Tauwasser, die möglichen Wärmebrücken und die Lage sowie Ausführung der Dampfbremse berücksichtigt werden. Die Krankheit des Kaltdaches ist schlicht eine stagnierende Luft im Dachraum (siehe Bild 2.2.2.d). Stagniert sie, wird sie warm. Bei der unvermeidlichen Berührung mit kälteren Oberflächen muss es dann zur Kondenswasserbildung kommen. [5] Die Berliner Dächer der älteren Mehrfamilienhäuser sind im oberen Teil als Flachdach ausgebildet (Bild 2.2.1). Diese können sowohl als nicht oder durchlüftetes Flachdach ausgebildet sein. Ersteres ist ein Warmdach, welches meistens als Wäscheboden genutzt wurde. Wurden bei diesen Dächern Dachwohnungen eingebaut, so befindet sich bei einigen Objekten über der Decke noch ein belüfteter Dachraum (Kaltdach) und darüber die Holzschalung mit der Dachabdichtung. Die obere Schalung übernimmt den Witterungsschutz, der Hohlraum wird durch die Außenluft durchströmt. Der Aufbau der Innenschale mit Dampfbremse und Dämmung erfolgt analog wie bei der Dachschräge.

Berliner Dach mit Balkon
Bild 2.2.1: Ausgebautes Berliner Dach mit Balkon und Gauben in Leipzig

2.2.2 Das wärmegedämmte Flachdach

Das einschalige wärmegedämmte Flachdach

Die Dachdecke bildet die oberste Geschossdecke und trägt unmittelbar die Dachhaut. Bei solchen Dächern kann sich unter der Dachhaut Tauwasser bilden und Schäden an der Dachkonstruktion auslösen. [4]

Das zweischalige wärmegedämmte Flachdach

Diese Flachdächer sind eigentlich Kaltdächer. Charakteristisch ist ein belüfteter Raum zwischen der oberen Schale (Wetterschutz/Niederschlag) und der unteren Schale mit Wärmedämmung. Unter diese Schale muss eine Dampfsperre angeordnet werden, damit zwischen Innenraum und dem Dachraum kein Luftaustausch erfolgen kann. Neben der Dachneigung von mindestens 5 %, günstiger 10 %, sollte der Luftraum mindestens 10 cm hoch und mindestens an zwei gegenüberliegenden Seiten Zugluft- bzw. Abluftöffnungen (gleichmäßig verteilt) mit einem freien Lüftungsquerschnitt von 2°/°°vorliegen, das entspricht 1/500 der Dachfläche. Weitere ergänzende Hinweise sind unter [6] zu finden.

2.2.3 Regeln zur Vermeidung von Bauschäden bei Kaltdächern

  1. Gute Belüftung der Dachkonstruktion und eingedrungene Wasserdampfmengen sollten ins Freie gelangen können, es muss ohne Zwangslüftung seine Funktion erfüllen.
  2. Belüftung durch Lüftungsziegel, für die Temperatur-Schwerkraftlüftung ist ein Höhenunterschied von > 1,5 m erforderlich.
  3. Bei Dachgeschossausbau entstehen unbelüftete Hohlräume, z. B. Abseitwand.
  4. Wärmestau bei unbelüftetem Raum und luftdichter Dachdeckung (über Gauben, Spitzböden und Ähnliches), unbelüftet auch, wenn im First die Unterspannbahn geschlossen ist. Wärmeluftblasen sind über den First abzuführen.
  5. Unkontrollierbarer Raum, es werden zur besseren Raumgestaltung unschöne Ecken mit dem Trockenbau verkleidet.
  6. Offene oder undichte Dachfenster führen zur Durchfeuchtung der Dielung.
  7. Bei flach geneigten Dächern ist der Dachfuß und Drempel bei undichtem Dach besonders gefährdet, vor allem an den Anschlüssen zu Giebelwänden.
  8. Ein Kaltdach ist nicht auszuführen, wenn der überdachte Innenraum klimatisiert und mit Überdruck betrieben wird.
  9. Ein Kaltdach ist nicht auszuführen, wenn die leichte Unterschale aus Einzelelementen gebaut ist.


mögliche Bauschäden an den Dachkonstruktionen
Bild 2.2.2: In den Bildern werden mögliche Bauschäden an den Dachkonstruktionen dargestellt. (Originalbild in [8])

Vor einem geplanten Dachausbau sollten generell alle Holzteile gründlich auf einen möglichen Befall durch Holz zerstörende Insekten und Pilze untersucht werden. Befallene Holzteile sind entsprechend der DIN 68800 (Holzschutz) zu sanieren bzw. zu ersetzen. Auf die Problematik Holzschutz wird im Punkt 8.3 ausführlicher eingegangen. Besonders gefährdete Bereiche sind im Bild 2.2.2 benannt. Im Einzelnen bedeutet:

  1. Kaltdach-Unterschale ausreichend wärmedämmend und ohne Wärmebrücken herstellen.
  2. An der Innenseite der Wärmedämmung muss eine luftdichte Dampfbremse mit vollständiger Fugendichtheit angebracht sein.
  3. Auf offenporigen oder faserigen Wärmedämmstoffen ist ein Windschutz ohne Dampfsperrwirkung zu verlegen. Diese diffusionsoffene Unterspannbahn hat die Dämmung auch vor Flugschnee (durch die Fugen der Dacheindeckung) vor Durchfeuchtung zu schützen.
  4. Der Dachraum ist ausreichend ganzjährig mit der Außenluft zu belüften. Es sind unbelüftete Räume zu vermeiden. Solche unbelüfteten Räume sind z. B. auch die Sparrenfelder unter und über den Dachflächenfenstern. Die Durchströmung des Sparrenfeldes von der Traufe bis zum First wird durch das Fenster unterbunden. [8]

2.2.4 Das belüftete Dach (Kaltdach)

Das belüfte Dach, ist mit einem durchgehenden Lüftungshohlraum von mindestens 2 cm und einer raumseitigen Dampfbremse mit einem Mindest - sd- Wert (siehe Anlage Fachbegriffe) zwischen 2 m und 10 m je nach Sparrenlänge und festgelegten Be- und Entlüftungsöffnungen zu versehen. (Bild 2.2.3). Wobei je nach Wasserdampfbelastung wegen der Wasserdampfdiffusion (vergleiche Pkt. 4.3.2.) der größere Wert günstiger ist. Eine exakte Fugendichtheit der Dampfbremse ist herzustellen (vergleiche Pkt. 4.3.4). Durch das Verrutschen der Dämmstoffe und aufplustern wird der Hohlraum zwischen Dämmung und Unterspannbahn sehr schnell verschlossen, daher sollten Abstände von 3 bis 5 cm gewählt werden. Ist mit einem „verstopfen“ der Hinterlüftung zu rechnen, so können auch entsprechende Abstandhalter (siehe Anlage 5) eingebaut werden.

Für ein belüftetes Dach sprechen folgende Situationen: