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4 Bauphysikalische Zusammenhänge für den Dachausbau
4.1 Allgemeines

Für ein besseres Verständnis für die Ursachen der Schadensentstehung im Dachgeschoss werden in diesem Punkt allgemein die bauphysikalischen Zusammenhänge dargestellt. Auf Berechnungsmethoden wird hier verzichtet, da diese in den entsprechenden Normen und in den Fachbüchern zur Bauphysik, wie zum Beispiel in der Quellenangabe bei Eichler/Arndt, Meier u. a. aufgeführt, ausführlich behandelt werden. Bei dem gegenwärtigen Trend immer dicker dämmen, statt vernünftig zu bauen, wirken sich bereits geringe Schwachstellen bei der Dämmung oder bei einer mangelhaften Fugendichtheit immer gravierender aus. Speziell bei der Dämmung werden umsatzorientierte Gesichtspunkte als ein notwendiges „Muss“ mit hohen energetischen Einsparungen deklariert. Das ist jedoch nicht richtig. Bei einer Dämmstoffdicke um 6 bis 8 cm wird bereits ein Optimum erreicht.

Größere Dämmstoffstärken bringen nur noch eine geringe Energieeinsparung und sind daher unwirtschaftlich und belasten künftig nur zusätzlich unsere Umwelt. Bisher gibt es noch keine technisch ausgereifte Entsorgungsmöglichkeit des künftigen Dämmstoffmülls. Auf das Problem der Wirtschaftlichkeit der Dämmeigenschaften wird im Artikel Formel zur Berechnung des Ueff-Wertes eingegangen. Bei einer Zwischensparrendämmung sollte der Klemmfilz wenigstens zwischen 120 bis 140 mm betragen, da er sonst wieder herausfällt. Besser sind 100 bis 120 mm und eine zweite innere Lage von 40 mm, welche die Fugen überdeckt. Der Gesetzgeber verlangt im Auftrag der Lobbyisten Dämmstoffstärken von über 200 mm. Irgendwann werden diese auf 500 mm erhöht, wenn der Markt des Dämmstoffverbrauches einbrechen sollte.

Alle Einsparpotenziale wurden nur theoretisch berechnet. Praktische Nachweise konnten bisher nicht eindeutig vorgelegt werden. Es kommt nicht auf die Dämmstoffstärke an, sondern entscheidend ist die korrekte Ausführung der Dämmung, der Vermeidung der Konvektion und der Durchfeuchtung im Querschnitt. Ein Teil der folgenden Schadensbilder stammen von sogenannten Energiesparhäusern. Der bei der Projektierung des Gebäudes benannte Energieverbrauch war in der Praxis meist genau doppelt so hoch, wie angegeben. Mit einer kleinen Überlegung soll dies noch einmal verdeutlicht werden.

Das auszubauende Dach besteht aus einer Dacheindeckung, Dachlattung 3/5, Luftschicht 16 cm, Sparren 12/16, Dachpappe 0,2 cm Holzwolleleichtbauplatte 3,5 cm und einem Kalkputz 1,5 cm. Der U-Wert entspricht 1,73 W/m²K. [31] Wird nun diese HWL-Platte mit Putz durch eine Mineralfaserdämmung, Dampfbremse und GKF 12,5 mm ersetzt, so ergibt eine 140-mm-Klemmfilzdämmung einen U-Wert von ca. 0,27 W/m²K, das entspricht eine theoretische Verringerung der Wärmeenergie auf 16 % und bei 180 mm MW einen U-Wert von ca. 0,21 W/m²K, was ca. 12 % entspricht. (Mit zunehmender Dämmstoffstärke werden die Holzsparren zu Wärmebrücken. Die genannten Werte fallen daher etwas ungünstiger aus, da sie zur Vereinfachung unberücksichtigt bleiben. Ebenso wirkt sich der erforderliche Lüftungswärmeverlust umso größer aus, je kleiner der U-Wert wird. Bei einer Lüftungsrate von 0,8-1 und einer "Superdämmung" verhalte sich die Transmissionswärmeverluste zur Lüftung etwa 26 zu 74 %!)

Mit der Mineralwolle (MW) 140 mm kann in diesem Fall noch eine Hinterlüftung erziel werden, bei der MW 180 mm ist nur noch eine Vollsparrendämmung möglich und das bei einer theoretischen Verbesserung um 4 %! Werden natürlich die 0,27 W/m²K mit 100 % gleichgesetzt, so spart man bei einer MW 180 gegenüber MW 140 eine theoretische Heizwärme von knapp 30 %.
Diese Bezugsgröße ist falsch, da immer der Ausgangswert in das Verhältnis einbezogen werden muss. Zwischen den beiden Varianten liegt bei einer Temperaturdifferenz von innen (20 °C) nach außen (-5 °C) ein theoretisch erhöhter Energiefluss von 1,5 W/m²h vor.

Nimmt die Vollsparrendämmung gegenüber der hinterlüfteten gering etwas Feuchtigkeit (ca. 1 %) auf, so verändert sich die Wärmeleitfähigkeit [λ] von 0,04 auf ca. 0,065 W/mK (siehe Bild 4.2.3.). Damit hat diese Konstruktion mit 180 mm Dämmung nicht den theoretischen Wert von 0,21 W/m²K, sondern praktisch 0,33 W/m²K oder noch größer und ist somit schlechter als eine trockene 140 mm Dämmung. Das ist ein Problem, welches die Energieberater in ihrem Wochenendqualifizierungslehrgang nicht lernen. Das vorgeschriebene Rechenprogramm für die Erstellung eines Energieausweises berücksichtigt solche einfachen physikalischen Gesetzmäßigkeiten überhaupt nicht.

Da jedoch auch bei einer hinterlüfteten Dämmung eine Durchfeuchtung nicht vollständig zu vermeiden ist, liegen deren U-Werte auch etwas höher. Allerdings trocknet bei einer hinterlüfteten Variante die Dämmung schneller ab bzw. wird nicht erst so feucht und stellt so ein geringeres Schadensrisiko für Holzkonstruktion dar. Für den Bauherrn und Hauseigentümer sollte immer an erster Stelle eine schadensfreie Ausführung stehen. Die Sanierung eines mit Hausschwamm befallenen Dachstuhls hinter der Verkleidung erfolgt nicht nur mit 1000 Euro. Natürlich kann jeder Hauseigentümer selbst entscheiden, ob er mit erhöhtem Risiko lebt und dafür jährlich 20 Euro Heizenergiekosten einspart.

4.2 Der Zusammenhang zwischen Feuchtigkeit und Wärmespeicherung

Wärmeschutz bedeutet in unserer Klimazone eine sinnvolle Kombination aus Wärmedämmung und Wärmespeicherung. Deshalb ist der massive Bau gerade die ideale Kombination für einen hervorragenden Wärmeschutz. Leichthäuser sind bei uns fehl am Platz, die apparative Instrumentierung wäre zu groß und zu kostenträchtig. [32] In Deutschland erfolgt vorwiegend der Dachausbau in Leichtbauweise. Sowohl bei der Sanierung als auch beim Neubau werden architektonische Extras geplant, die ohnehin die komplizierten physikalischen Prozesse noch weiter ungünstig beeinflussen.

Schwere massive Bauweisen speichern die Wärmeenergie und geben diese verzögert wieder ab. Die Temperaturschwankungen der Innenraumluft sind ausgeglichener (Bild 4.2.1). Die Phasenverschiebung wird durch die Temperatur, Materialstruktur (Poren, Kapillare, Salze) und Druck bestimmt. Im Mauerwerk/Konstruktion gibt es keine gleich bleibenden Zustände. Sie verändern sich ständig qualitativ und quantitativ. Der Wandbaustoff wird durch verschiedene Energieströme beeinflusst. Zusätzlich sind das die Wärmeleitfähigkeit und die Wärmespeicherfähigkeit der Luft, das Luft-Wasserdampf-Gemisch, das Wasser in den Poren oder in den Hohlräumen und im Winter der Wechsel zwischen den Aggregatzuständen Wasser und Eis.

Temperaturamplitude
Bild 4.2.1: Temperaturverlauf in einer schweren und leichten Wandkonstruktion während eines Sommertages [33]

Das Dachgeschoss ist in den meisten Fällen eine Leichtbaukonstruktion, bestehend aus Tragwerk (Sparren und Pfetten) und der Dämmstoffe mit einem Konstruktionsgewicht von 80-120 kg/m² und einer Speicherfähigkeit von 100 kJ/m²K und damit deutlich geringer als bei massiven Außenwänden mit 300-400 kg/m² und 300 kJ/m²K. Durch die geringe Speicherfähigkeit der Mineralwolle kommt es sehr schnell zur Aufheizung bei starker Sonneneinstrahlung oder zur Abkühlung im Winter. Das hängt damit zusammen, dass Mineralwolle einen Speicherwert von ca. 1 kJ/kgK hat, das entspricht bei einer Dämmstoffstärke von 16 cm und einem Gewicht von 30 kg/m³ = 4,8 K J/m². Einer 1 cm starke Holzweichfaserdämmplatte mit einem Gewicht von 200 kg/m² erreicht etwa den gleichen Wert. (Ausgewählte Stoffwerte sind in der Tabelle 1 aufgeführt.)

Ein weiterer Wert, die Temperaturleitzahl oder Temperaturleitfähigkeit a [m2/s] sollte hier Beachtung finden. Sie ist das Maß für die Fortpflanzungsgeschwindigkeit einer Temperaturänderung in einem Körper. Eine Temperaturänderung pflanzt sich umso rascher fort, je größer das Wärmeleitvermögen ist und je kleiner die spezifische Wärmekapazität sowie die Dichte sind. Sie ist die Basis zur Ermittlung der Phasenverschiebung (siehe Bild 4.2.1). Gerade hier schneiden die Glas- und Steindämmstoffe ungünstig ab.

Für bessere wohnklimatische Bedingungen sind schwere Dachkonstruktionen sinnvoll, wie sie z. B. im Punkt 3.1. und 3.2 gezeigt werden. Ist dies nicht möglich, so sollten möglichst viel massives Innenmauerwerk und auch massive Fußböden die Speicherfunktion übernehmen.

Im Lichtenfelser Experiment wurde die praktische Dämmwirkung von Massiv- und Leichtbaustoffen für Dach und Fassade durch ein Team unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier am 26.10.01 in Lichtenfels untersucht. Dabei stand die Dämmwirkung von Massivbaustoffen mittels Temperaturamplitudendämpfung und Phasenverschiebung bei einseitiger Temperaturänderung an. [34]

Hierzu gibt es sehr kontroverse Auffassungen. Den Aussagen aus dem Experiment kann ich mich nur bedingt anschließen. Eine solche Messung ist wegen der vielen Nebeneinflüsse äußerst kompliziert. Die Qualität der Dämmwirkung der Mineralwolle wird überschätzt. Mehrheitlich wird die Dämmung in der Dachschräge im Winter feucht. In Einzelfällen sogar nass. Die qualitative Verschlechterung der Dämmeigenschaft bei einer Feuchtezunahme kann aus den beiden Grafiken (Bilder 4.2.2 und 4.2.3) entnommen werden.

Feuchteinfluss auf die gemessene Wärmeleitfähigkeit
Bild 4.2.2.: Feuchteinfluss auf die gemessene Wärmeleitfähigkeit von ausgewählten Baustoffen (Originalbild unter [35])

Bei einer Temperaturänderung im Konstruktionsquerschnitt ändert sich auch in bestimmten Umfang der Druck in den Poren, Hohlräumen und Kapillaren. Je nach Taupunkt taut Flüssigkeit aus oder geht in ein Luft-Wasserdampf-Gemisch über. Dies trifft sinngemäß auch für die Dämmstoffe zwischen den Sparren zu. Wird jetzt noch die Verdampfungswärme des Wassers (0ºC, 2500 kJ/kg) oder die Schmelzwärme des Eises (333,4 kJ/kg) berücksichtigt, so kommt es lokal zusätzlich zur Wärmeaufnahme bzw. Wärmeabgabe,je nachdem, welcher Aggregatzustand sich einstellt.

Ändert sich die Temperatur im Wandquerschnitt wieder, so ändern sich unter Umständen auch die Aggregatzustände. Winterliche Direkteinstrahlung und auch die indirekte Einstrahlung (nur eben wesentlich geringer) bewirken eine Absorbierung der Wärmeenergie, die je nach Ausführung für eine bestimmte Zeit gespeichert wird und langsam wieder nach außen entweicht.

In der Regel sind die Wärme- und Feuchttransportprozesse in Gebäuden stark gekoppelt. Dies zeigt sich besonders deutlich beim Feuchteinfluss auf die Wärmedämmung von Bauteilen. In einer Grafik wird der Anstieg der Wärmeleitfähigkeit von drei verschiedenen Baustoffen in Abhängigkeit vom Wassergehalt aufgezeigt (Bild 4.2.2). Während die Wärmeleitung mineralischer Wandbildner, wie bei dem hier dargestellten Porenbeton, linear mit dem Wassergehalt ansteigt, ist der Anstieg bei Polystyrol - Hartschaum leicht progressiv. Überraschend ist der starke Anstieg der Wärmeleitfähigkeit von Mineralwolle schon bei sehr kleinem Wassergehalt. [35] Im Bild 4.2.3 und in der Tabelle 1 werden weitere Dämmstoffe, die im Dachgeschossausbau ihre Anwendung finden, aufgeführt.

Wie bereits oben festgestellt, ist die Wärmespeicherung bei trockenen Mineraldämmstoffen nicht sehr groß. Bei befeuchteten Dämmstoffen kann sich dies verändern und die Speicherfähigkeit erhöhen. Da sich aber auch die Wärmeleitfähigkeit verändert (verschlechtert) kann hier keine Antwort gegeben werden, ob und bei welcher Feuchtigkeit sich ein Optimum aus Wärmeleitfähigkeit und Wärmedämmung einstellen könnte. Bei Infrarotaufnahmen werden auch durchfeuchtete Dämmungen als kühlere Oberflächen ausgewiesen. Diese durchfeuchtet Dämmung begünstigt die Möglichkeit einer Tauwasserbildung auf der Innenseite der Dachschräge.

Auch wegen der Gefährdung der Holzkonstruktion bei erhöhter Feuchtigkeit sollte zweckmäßiger immer eine trockene Konstruktion angestrebt werden.

EICHLER/ARNDT beschreiben auch den Einfluss der Feuchtigkeit auf die Wärmedämmung, wobei hier Einflüsse in Küstennähe, Wetterseiten und Schlagregen u. a. genannt werden. Allerdings werden keine konkreten Zahlen aufgezeigt, wie sich dies auswirkt. Dies sollte bei ungünstigen Standorten beachtet werden, gerade dort, wo oft eine hohe Feuchtigkeit im Außenbereich vorliegt. Unter diesem Aspekt sind viele naturnahe Dämmstoffe den synthetischen Dämmstoffen überlegen. Dafür haben sie aber auch wieder auf einem anderen Gebiet ihre Schwächen.

Wärmeleitfähigkeit und Wassergehalt
Bild 4.2.3: Auf dieser Grafik ist die Abhängigkeit der Veränderung (Verschlechterung) der Wärmeleitfähigkeit in Bezug auf die Erhöhung des Wassergehaltes deutlich erkennbar. [36]

Tabelle 1: ausgewählte Stoffwerte mit ihren physikalischen Eigenschaften [37], [38]

Stoff Dichte ρ [kg/m3] Spez. Wärmekapazität c [kJ/kgK] Wärmeleitfähigkeit  λ [W/mK] Temperaturleitzahl a [m2/s]
Wasser (20 ºC) 998,4 4,182 0,604 -
Eis 917 1,93 2,2 1,2
Luft (20°C) 1,1881 1,005 0,02603 -
Glas- u. Steinwolle 25-100 0,8 0,035-0,04 57,9
HWL-Platten 400 1,9 0,093 4,4
Holzweich-faserdämmung 200 2,2 0,05 3,6
Holz 600 2,1 0,13 3,7
Ziegel 1800 0,92 0,81 0,49

4.3. Die Tauwasserbildung in der Dachkonstruktion
4.3.1. Die Fugen und die Konvektion

Neben den Wärmeverlusten durch eine Wärmebrückenbildung bewirkt auch der Luftdurchsatz durch die Fugen (Bild 4.2.1) in den Außenbauteilen einen erheblichen Wärmeverlust. Diese können die Transmissionswärmeverluste erheblich übersteigen. So kommt es auch vor, dass trotz einer dicken Wärmedämmschicht ein verhältnismäßig hoher Heizenergiebedarf besteht. Diese Konvektion in den Fugen wird bei der U-Wert-Berechnung nicht berücksichtigt. Bei diesem Transport wird die Luft abgekühlt, und es kommt zur Kondensatbildung (Tauwasser) an den äußeren Bauteilschichten.


Bild 4.3.1: Beheiztes Versuchsdach mit herkömmlicher Zwischensparrendämmung (Fugen zwischen Dämmung und Sparren) und der Temperaturverlauf im Vergleich zum Sanierungssystem Dämmfix. [39]

Bei einer Versuchsdurchführung zum Sanierungssystem Dämmfix WS wurde verschiedene Temperaturen (Bild 4.3.1) bei einem Modell (siehe Bild 4.3.5) aufgezeichnet. Dabei lag die Dämmung nicht fugendicht an den Sparren an. Bei der Messreihe wurde im Vergleich zur Umgebungstemperatur eine um 6 K wärmere Oberseite der Zwischensparrendämmung ermittelt. Diese Temperaturerhöhung wurde nicht allein dem Wärmetransport durch Wärmeleitung, sondern daneben auch noch dem Lüftungswärmetransport (Konvektion) zugeschrieben. [39]

Es kann rechnerisch die Tauwassermenge bestimmt werden, die sich bei einer defekten bzw. fehlenden Dampfsperre bilden kann. Das können unter Umständen einige Kilogramm Wasser auf den Quadratmeter werden. Über den Sommer kann dies wieder abtrocknen. Pohl und Horschler [40] haben dieses Problem näher betrachtet. Eine Fuge mit einer Breite von 2 mm, einer Tiefe von 100 mm und einer Länge von 1,00 m und einer Druckdifferenz von nur 6 PASCAL (Windstärke 2) ergeben einen Luftvolumenstrom von ca. 15 m3/mh. Wird dies auf die Dimension des U-Wertes übertragen, so tritt bei einer Fuge von 1 m Länge ein Lüftungswärmeverlust von ca. 5 W/m 2K auf. Bei einem gedämmten Dach mit einem rechnerischen U-Wert von 0,2 W/m2K bedarf es keiner weiteren Diskussion, wo dann der praktische U-Wert liegt. Daneben werden bei einer Lufttemperatur von 20 Grad Celsius mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 % durch die o. g. Fuge pro Stunde ca. 130 g/Wasserdampf in das Außenteil transportiert (vergleiche Anlage 1). Feuchtigkeitsschäden sind zwangsläufig die Folge. Bei einem praktischen Fall wurden im Winter in der Dachgeschosswohnung zum Auffangen des Kondensatwassers Eimer auf dem Teppich gestellt. In diesem Fall wurde eine aluminiumkaschierte Dämmung zwischen die Sparren eingelegt. Die Konstruktion wurde zwar mit Hinterlüftung ausgeführt, diese hat aber bei dieser großen Wassermenge versagt. Im gesamten Haus lag eine höhere Luftfeuchte vor, da die weiße Wanne nicht richtig ausgeführt wurde und ständig unbemerkt Wasser in den Keller eindrang. Diese Feuchte konnte über das Treppenhaus bis in den Dachboden gelangen. In diesem Fall bildete sich im Winter an der diffusionsdichten Unterspannbahn eine dicke Eisschicht, welche durch die Sonne jeden Tag aufgetaut wurde. Das Wasser tropfte durch die Dämmung und suchte sich einen Weg durch die undichte Dampfbremse und Innenverkleidung. Als Ursache wurde ein undichtes Dach vermutet.

Im Bild 4.3.2. werden die feuchtetechnischen Auswirkungen bei Fugen zwischen der Dämmung und der Sparren dargestellt. Fugen können sehr schnell durch das Herausrutschen des Klemmfilze oder auch durch unkorrekte Verlegung entstehen. Kleine Fugen wird es immer an lokalen Stellen geben. Betrachtet man den Fall Bild 4.3.2. B, so wird vorwiegend das Tauwasser an der Innenseite der Dampfbremse entstehen. Geringe Feuchte im Raum der Dämmung wird durch die Hinterlüftung abgelüftet. Eine Dauerbefeuchtung wird vermieden. Es tropft als Wasser ab Raum gelangt durch Diffusion wieder in die Raumluft. Es treten in diesem Fall höchstens optische Schäden oder Schäden an der Innenverkleidung auf. Bei der Vollsparrendämmung im Bild 43.2. c kommt es zur Feuchteanreicherung in der Dämmung und an den Sparren. Durch die beiden Sperrschichten, Dampfbremse auf der Innenseite und die Unterspannbahn, Sparschalung mit Bitumendachdichtung o. ä., bleibt die eingedrungene Feuchte sehr lange in diesem Hohlraum. Feuchte und Wärme bilden eine hervorragende Grundlage eines verdeckten Pilzwachstums an der Holzkonstruktion. Die Sanierung der tragenden Holzkonstruktion ist gegenüber der Reparatur der Innenverkleidung wesentlich umfangreicher. Die Vollsparrendämmung ist theoretisch eine gute Lösung, aber in der Praxis birgt sie eine hohe Gefahr von möglichen Feuchteschäden.

konvektiver Wärmebrücken
Bild 4.3.2: Beispiel (links) konvektiver Wärmebrücken nach [Schulze 1996] [41] (DB = Dampfbremse)

Wärmebild konvektive Wärmebrücken Dachdämmung
Bild 4.3.3: Durch das Wärmebild bei dieser abgehängten Decke kann man deutlich die Fehlstelle in der Dämmung erkennen. Der Klemmfilz wurde nicht richtig aneinander gepresst. Als leichte Dunkelfärbung lassen sich die Sparren gut erkennen. Die Randbereiche der Dämmung werden feucht und werden so zur Wärmebrücke.

Wärmebild konvektive Wärmebrücken Dachdämmung
Bild 4.3.4: Hier presst der Klemmfilz nicht richtig an den Sparren an. Es wurde offensichtlich nicht groß genug zugeschnitten. Ebenso ist eine Fuge (LI02) am Anschluss Innenwand zur Decke erkennbar.

Nach Aussage des Mieters/Eigentümer wurden zu erst die Innenwände (Metallständerwände mit Gipskartonbauplattenverkleidung W 111 bzw. W 112) aufgestellt.
Damit ist ein fugendichter Anschluss der Dampfbremse an die Innenwand kaum möglich. Als Erstes sollte daher die Sparrendämmung ausgeführt werden. Im Anschluss erfolgt die Verlegung der Dampfbremse mit der fugendichten Anbindung der Stöße. Im Bild 4.3.5 wird die bessere Lösung gezeigt. Allerdings müssen auch die Kriterien des Schallschutzes (Punkt 7.2) bzw. Brandschutzes (Punkt 7.1) bei Wohnungstrennwänden beachtet werden.


Bild 4.3.5: Wird als Erstes die Deckenfläche und dann die Innenwand errichtet, so wird die Dampfbremse nicht unterbrochen. [23]

Bei einem Versuchsdach (Bild 4.3.6) wurde die Wirksamkeit eines Dämmsystems unter Beweis gestellt. Eine ausführliche Beschreibung erfolgt von Feldner [39]. Hier werden nur auszugsweise einige Kriterien genannt, warum das Sanierungssystem Dämmfix WSD zur Anwendung kam. Probleme gibt es bei der unsachgemäß verlegten aluminiumkaschierten Dämmung bezüglich ihrer Fugendichtheit (Dämmung/Sparren) und die Winddichtheit/Dampfbremswirkung der Aluminiumbeschichtung (hohe Schadensanfälligkeit) (mehr unter Pkt. 5.1). Dadurch kann bei einem solchen gedämmten Dach ein hoher Wärmeverlust durch Wärmekonvektion auftreten. Dieses System wirkt dabei nicht nur als Zusatzdämmstoff, sondern auch als winddichtes Bauteil, das Konvektion und den damit verbundenen Luft-, Feuchte- und Wärmetransport in hohem Maße verhindert.

In ganz bestimmten Situationen kann das sicherlich einer Sanierungslösung sein. Die Praxis hat bisher gezeigt, dass beim Erkennen des Schadens, wie z. B. eine mangelhafte Fugendichtheit und fehlerhafte Dampfbremse, wenigstens ein teilweiser Rückbau erforderlich ist. In diesem Fall kann die Sparrendämmung ordnungsgemäß nachgebessert bzw. ausgeführt werden.

MACO-DACH Versuchsausführung
Bild 4.3.6: Versuchsdach zur Prüfung der Wirksamkeit des Sanierungssystems Dämmfix [39]

Nur über eine konsequente Planung aller Anschlussbereiche der Dampfbremse und eine gewissenhafte Ausführung kann eine annähernde Luft- und Fugendichtheit erreicht werden.

4.3.2 Die Diffusion

Gasaustausch durch Bauteile findet in der Regel nur durch Diffusion statt. "Diffusion" nennt man die allmähliche Durchmischung verschiedener Gase (aber auch Flüssigkeiten und sogar Festkörper) ohne äußere Einwirkung, allein durch Molekularbewegung, bis die Verteilung der verschiedenen Moleküle überall gleich ist. Der Widerstand, den ein Material der Diffusion von Wasserdampf oder anderen Gasen entgegensetzt, hängt hauptsächlich von seiner Porigkeit ab, je mehr offene Poren, desto geringer der Widerstand. Der Porendurchmesser spielt für die Wasserdampfmoleküle so gut wie keine Rolle, sie sind kleiner und leichter als fast alle anderen Luftmoleküle. So haben die Sauerstoffmoleküle z. B. 60 % mehr Masse und die Kohlendioxidmoleküle sind fast dreimal so groß.

Ihre Diffusionsgeschwindigkeit ist schon in der Luft viel geringer als die von Wasserdampf, und so gibt es Bauteilschichten, die zwar die Diffusion von Kohlendioxid fast völlig absperren, der Wasserdampfdiffusion aber keinen allzu großen Widerstand entgegensetzen.

Die im Vergleich mit Wasserdampf, Sauerstoff oder Kohlendioxid meist riesigen Moleküle von "Wohngiften" können durch Diffusion erst recht nicht aus der Raumluft entfernt werden, wie das in einigen baubiologischen Schriften immer wieder zu lesen ist. Für sie bildet auch die diffusionsfähigste Wand ein praktisch unüberwindliches Hindernis. Wohngifte können daher grundsätzlich nur durch ausreichende Lüftung aus dem Wohnbereich entfernt werden.

Diffusionswiderstandswerte sind die Wasserdampf Diffusionswiderstandszahlen und die daraus errechneten "diffusionsäquivalenten Luftschichtdicken" (sd-Wert). In Analogie zu diesen Werten, die nur die Diffusion von Wasserdampf durch ein Material bzw. ein Bauteil betreffen, geben manche Baustoffkataloge vor allem bei Anstrichen und anderen Beschichtungen auch Widerstandswerte zur Kohlendioxiddiffusion an. [42] Es ist aber auch zu beachten, dass eine Wasserdampfdiffusion auch über eine Flankenübertragung erfolgen kann. [30] u. [43]

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